16.1.03:
Alles über die historische Hanse
findet Ihr jetzt hier.
1266: DIE HANSE: ENTSTEHUNG
UND AUFSTIEG (von http://www.luebeck.de/stadt_politik/geschichte/index.html)
Die Hanse (althochdeutsch Hansa: Schar, Bund) wurde 1266 geboren.
Seinerzeit nannten die in England tätigen deutschen Kaufleute ihren Zusammenschluß
Hanse. Aus dem Kaufmannsbund gestaltete sich ein Städtebund niederdeutscher Städte. Ziel
waren die Sicherung des Handels, zumal eine starke Reichsgewalt fehlte, sowie Erhaltung
und Erweiterung städtischer Freiheit, Wahrung des patrizisch-aristrokratischen Regiments
in den Städten und Hilfeleistungen im Kriegsfall durch Mannschaft und Schiffe.
Die Hanse hatte weder Beamte noch Kriegsschiffe, doch konnte sie eine beachtliche Flotte
und ein Heer aufbieten, wo immer Diplomatie und die Überzeugungskraft des Geldes nicht
ausreichte. Die Macht des Ostseehandels erlaubte dem Städtebund, drei Jahrhunderte lang
durch eine kraftvolle und geschickte Politik der aufstrebenden Konkurrenz aus Skandinavien
und Rußland zu gebieten.
1329 sicherte sich Lübeck durch den Erwerb Travemündes einen ungehinderten Zugang zur
Ostsee. Der Aufstieg Lübecks gründete sich auf den Umschlag der Rohstoffe des Nordens
und Ostens gegen Fertigwaren des Westens und Südens. Niederlassungen (Kontore) wurden in
London, Brügge, Antwerpen, Bergen und Novgorod gegründet.
Die Kaufleute wurden in unterschiedliche Kompanien gegliedert. Die Novgorodfahrer brachten
Pelz, Holz, Wachs, Pech, Teer, Flachs und Hanf aus Rußland, die Schonenfahrer die als
Fastenspeise wichtigen Heringe, die Schwedenfahrer Erze, die Bergenfahrer Stockfisch aus
Norwegen. Aus England und Flandern kamen Tuche und Metallwaren. Verbindungen mit
Frankfurt, Nürnberg, Augsburg und Straßburg dienten dem Handel mit Gütern des
Mittelmeeres und des Orients.
Entscheidenden Vorteil der Hanse: Ihre bis zu 100 Tonnen fassenden, seetüchtigen Schiffe,
die sogenannten Hansekoggen, die an Größe und Transportfähigkeit alle bislang
existierenden Schiffstypen in den Schatten stellten. Noch bis zum Dreißigjährigen Krieg
war die Lübecker Flotte größer als die Englands, nur die Niederländer besaßen mehr
Schiffe.
Mehr als 100 Städte, nicht nur Ostseeanlieger, schlossen sich dem Bund an. 1350 stand der
Hansebund auf dem Höhepunkt seiner Macht. Seit 1356 wurden Hansetage im Lübecker Rathaus
abgehalten. Dabei erörterten die Hansedeligierten nicht nur Wirtschaftsfragen, sondern
entschieden auch über Krieg und Frieden. Und: Der Hansetag hatte häufig darüber zu
befinden, ob ihm ein in Dänemark oder Schweden gewählter König genehm war oder nicht.
Das Jahr 1370 brachte nach schweren Kämpfen in einem zehn Jahre dauernden Krieg mit
Dänemark den Frieden von Stralsund. Er zementierte Lübecks Herrschaft über die Ostsee.
Kein Wunder also, daß Kaiser Karl IV. bei seinem Besuch 1375 die Mitglieder des Rates mit
"Ihr Herren" anredete, eine Anrede, auf die nur die Oberschichten der Städte
Brügge in Flandern, Lübeck in Alemanien, Paris in Frankreich und Wien in Österreich ein
Anrecht hatten.
Lübeck zählte jetzt neben Rom, Pisa, Florenz und Venedig zu den fünf Herrenstädten
seines Reiches. Damals hatte Lübeck rund 30 000 Einwohner - eine Zahl, die in Deutschland
nur Köln übertraf. Lübecks Ausdehnung entsprach der heutigen Altstadt.
1391-1398 bauten die Lübecker einen Kanal von der Trave zur Elbe (die
"Stecknitzfahrt"), die erste künstliche Wasserstraße Nordeuropas. Die
nächsten Jahre brachten den Zusammenschluß der nordischen Staaten in der Kalmarer Union
(1397), Kämpfe um die Freiheit der Sundschiffahrt, den günstigen Utrechter Frieden mit
England und schließlich 1478 einen schweren Schlag durch die Schließung des
Handelskontors in Novgorod seitens der Großfürsten von Moskau. Auch verlor Lübeck sein
Hinterland Holstein, das eine Personalunion mit Dänemark einging.
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1531-1630: REFORMATION UND ENDE DER HANSE
1531 wurde Lübeck protestantisch - nach langen Auseinandersetzungen durchgesetzt von
einer breite Bürgerbewegung gegen den konservativen Rat (Sängerkrieg"). 1530 war
auf Bitten des Rates Doktor Johannes Bugenhagen gekommen (Beichtvater und enger Vertrauter
Luthers), um eine neue Kirchenordnung zu erstellen. Mit seiner Schul-, Kranken- und
Sozialordnung gestaltete er das gesamte Gemeinwesen neu. 1531 wurde die neue Ordnung
angenommen und verkündet. Die Klöster wurden aufgelöst oder umgewandelt in
Lateinschulen oder Armen- und Krankenhäuser.
Auch im Rat zogen neue Sitten ein: Erstmals durften neben Kaufleuten auch andere
Bürgerliche, so die Handwerker, gewählt werden. Mit Jürgen Wullenwever brachte es 1533
ein erst sieben Jahre zuvor aus Hamburg Übergesiedelter sogar zum Bürgermeister. Doch
dieser steuerte Lübeck durch seinen Versuch, mit einer abenteuerlichen Kriegspolitik die
Großmachtstellung im Osteeraum wiederherzustellen, in die Katastrophe. Das Ende von
Wullenwever: Er wurde vom Bremer Erzbischof gefangengenommen und 1537 in Wolfenbüttel
enthauptet.
Durch die Entdeckungsfahrten und die europäische Besiedlung Amerikas war die Ostsee
plötzlich nicht mehr Zentrum des Handels. England und Holland erstarkten. Der Höhepunkt
der Macht der Ostseestädte war überschritten. Auch durch politisches und militärisches
Taktieren war die Vormachtstellung Lübecks nicht wiederherzustellen. Hinzu kam: Die
Reformation förderte eine individuelle Lebensauffassung, der Handel verebbte zunehmend
und der genossenschaftliche Verbund der Hanse lockerte sich. Mehr und mehr Städte
orientierten sich nach Westen und blieben den Hansetagen fern - früher hätte dies
Strafen der übrigen Mitglieder ausgelöst, doch gab es kein Druckmittel mehr.
Der letzte Hansetag wurde 1630 abgehalten. Nur Lübeck, Hamburg und Bremen nahmen daran
teil. Diese Städte schlossen sich zu Sachverwaltern des Hansegedankens zusammen, doch es
dauerte bis 1980, bis die Hansetage auf Initiative des holländischen Zwolle (Hansetag der
Neuzeit) wieder eingeführt wurden.
Nach dem Ende der Hanse blieb Lübeck eine bedeutende Kaufmanns- und Handelsstadt,
wohlhabend, aber nicht mehr unermeßlich reich. Die 1613 errichteten Befestigungsanlagen
hielten den 30jährigen Krieg fern. Neuerungen auf den Gebieten des Handels und der
Wirtschaft wurden andernortes eingeführt. Lübeck hingegen bewahrte die Tradition. |
Lübeck und die Hanse (von http://www.luebeck.de/stadt_politik/hanse/index.html)
Lübecks Geschichte und Lübecks Wachstum sind untrennbar verbunden mit der führenden
Rolle der Stadt in der Hanse. Die Hanse ("hansa" ist die althochdeutsche
Bezeichnung für eine Schar oder Gruppe) war zunächst ein Zusammenschluß norddeutscher
Kaufleute, der nach der Mitte des 14. Jahrhunderts zu einer Städtegemeinschaft
umgewandelt wurde. Die Hanse bot ihren Mitgliedern Schutz im Ausland, vertrat ihre
Handelsbelange gegenüber fremden Machthabern, verschiedenesaffte ihren Mitgliedern
Handelsprivilegien (Zollbefreiung) und entschied Streitigkeiten ihrer Mitglieder durch
eine eigene Gerichtsbarkeit, die von den Ältesten, den sogenannten Oldermännern,
ausgeübt wurde.
Der Hanse gehörten in ihrer Glanzzeit rund 200 Hafen- und Binnenstädte an. Ihr Gebiet
umfaßte den Bereich zwischen Zuidersee und Finnischem Meerbusen, Ostsee und Thüringen.
Kein anderer Städtebund des Mittelalters erreichte auch nur annähernd den Einfluß oder
die Ausdehnung der Hanse.
Obwohl die Hansestädte sich zur Förderung des Handels zusammengeschlossen hatten,
entwickelten sie sich im Laufe der Geschichte in Nordeuropa auch zu einer politischen
Macht, die sogar erfolgreich Kriege führte. Den Höhepunkt bildete der Krieg, den die
Hansestädte 1364 bis 1370 gegen Waldemar IV. von Dänemark führten. Militärische
Maßnahmen der Hanse dienten der Durchsetzung von wirtschaftlichen Zielen, wenn
Verhandlungen oder Handelsboykott nicht mehr fruchteten.
Urzelle der Hanse im Ostseeraum - Kölner Kontakte mit Westeuropa liefen parallel - war
die Genossenschaft der Gotland ansteuernden deutschen Kaufleute. Diesen
"Gotlandfahrern" gehörten Kaufleute nicht nur aus Lübeck, sondern auch aus
westfälischen und sächsischen Städten an.
Weitere Etappen sind die Entstehung der deutschen Kaufmannsniederlassung in Novgorod Ende
des 12. Jahrhunderts und der erste Vertrag zwischen Lübeck und Hamburg um 1230. Nach und
nach schlossen sich auch die Kaufleute aus den neugegründeten Städten an der slawischen
Ostseeküste dem Verbund an.
Lübeck, das Tor Westeuropas zum Ostseehandel, nach Skandinavien und zum Baltikum, blühte
rasch auf und wurde zum Haupt der Hanse. Es behielt seine führende Stellung bis zum Ende
des Bundes - unter anderem aufgrund seiner günstigen Lage zwischen Nord- und Ostsee und
der damit verbundenen wirtschaftlichen Bedeutung. Große Niederlassungen der Hanse
(Kontore) entstanden in London, Brügge, Bergen und Novgorod. Diese Kontore verdeutlichen
den geographischen Rahmen, in dem die Kaufleute der Hanse seit Mitte des 13. Jahrhunderts
fast ein Handelsmonopol besaßen. Im 14. Jahrhundert knüpfte der hanseatische Handel zu
Lande Kontakte nach Süddeutschland und Italien, der Seehandel dehnte sich aus nach
Frankreich, Spanien und Portugal. Widerstand gegen das Handelsmonopol der Hanse leisteten
Niederländer, Engländer und Süddeutsche - seit Mitte des 14. Jahrhunderts mit Erfolg.
Der Städtebund, übrigens ohne Satzung und Kasse, nur durch die unregelmäßig
stattfindenden Hansetage (meistens in Lübeck) gebunden - erreichte seine größte Macht
zur Zeit des Friedens von Stralsund (1370) nach dem Sieg über Dänemark. In den folgenden
Jahrhunderten ging der Einfluß der Handelsmacht Hanse jedoch langsam zurück (1478
Schließung des Kontors in Novgorod, Schließung des Stalhofs in London 1598), da diese
Bündnis- und Handelsform auf die Dauer nicht mit der Wirtschaftspolitik der
frühneuzeitllchen Staaten konkurrieren konnte. Einerseits nahmen die einzelnen Länder
(ausländische Herrscher und deutsche Landesfürsten) den Handel selbst in die Hand und
behinderten den hanseatischen Handel, andererseits erwiesen sich die kombinierten Waren-
und Geldgeschäfte der großen Handelshäuser (Fugger, Welser) als bei weitem
einträglicher und flexibler als der hauptsächlich auf Waren beschränkte Hansehandel.
1630 schlossen Lübeck, Hamburg und Bremen ein engeres Bündnis, das insbesondere die
finanziellen Interessen der sich auflösenden Hanse wahrnehmen sollte. Ein letzter
allgemeiner Hansetag in Lübeck (1669), zu dem noch 9 Städte erschienen, konnte die Hanse
nicht wiederbeleben. Die Verbundenheit zwischen Lübeck, Hamburg und Bremen blieb jedoch
bis 1920 beziehungsweise 1937 bestehen. Die Hansestadt Lübeck verlor ihre
Selbständigkeit nach über 700 Jahren durch das von dem nationalsozialistischen Regime im
Jahre 1937 erlassene sogenannte Großhamburggesetz, das die Stadt in die preußische
Provinz Schleswig - Holstein eingliederte. Bestrebungen, Lübeck nach dem Kriege die
Selbständigkeit zurückzugeben - ähnlich wie Hamburg und Bremen, die Bundesländer
wurden - blieben erfolglos. |