Die Morez und die Politik (Autor Emil Hänseler)


"Man ist versucht festzustellen, dass es sich bei der Comtoise um eine politische Uhr handelt", sagt Siegfried Bergmann, ein Uhrensammler aus Hemhofen (Deutschland). "Es ist keine andere Uhr bekannt, bei der geschichtliche Ereignisse die äussere Gestaltung so intensiv geprägt haben wie bei der Comtoise."

 
Tatsächlich fand die politische Situation Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Ausdruck in den gegossenen Aufsätzen ueber dem Zifferblatt, den sogenannten "frontons". Während der Französischen Revolution (1789) blieben der Hahn oder der Phoebus (Sonnenkopf) mit den seitlichen Vögeln bestehen. In der Mitte des Aufsatzes, im Médaillon, erschienen zwei sich drückende Hände, die "Jakobinermütze", oder der Schriftzug "Liberté". In dieser Zeit, als die Köpfe locker sassen und niemand vor Spitzeln sicher war, wurden die königlichen Embleme - die Bourbonen-Lilien - in den Médaillons vieler Uhren abgefeilt.

 

Zur Zeit des "Directoire" (1795 bis 1799) verschwanden die Attribute der Revolution. Das Médaillon trug einen fünfzackigen Stern (Bild), oder es war leer und poliert. Als Variante zu den seitlichen Vögeln gab es zwei Engel.

 

 

 
In der als "Consulat" bezeichneten Periode (1799 bis 1804) löste der Adler den Hahn ab. Das Médaillon war neutral oder mit dem Bildnis von Bonaparte als Erstem Konsul verziert (Bild rechts, oberer "fronton")

 

 

Während der "Empire"-Zeit (1804 bis 1815), als Napoleon sich zum Kaiser gekrönt hatte, trug auch der Adler eine Krone (Bild rechts, unterer "Fronton").

 

 

Die folgende Zeit der "Restauration" (1815 bis 1830) war eine verunsicherte Uebergangsperiode. Die Bourbonen-Könige hofften auf eine Rückkehr zur Macht mit Hilfe des Grossbürgertums. Andererseits pochten die Arbeiter auf ihre während  der Revolution erworbenen Rechte. Auf den "frontons" fand man in dieser Zeit weiter den Adler oder den Hahn, sowie sich drückende Hände oder dann den Sonnenkopf (Phoebus) mit drei kleinen Lilien. 

Am Ende des Umbruchs, zu Beginn der Regierungszeit von Louis-Philippe, produzierte man bereits die Uhren der dritten Generation, die eine Fülle von neuen Motiven mit sich brachten.


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